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KI-Kompetenz nach Art. 4 EU AI Act: Pflicht einfach erklärt
KI-KompetenzZuletzt aktualisiert: 2026-06-23

KI-Kompetenz: Was Artikel 4 EU AI Act von Ihrem Unternehmen verlangt

Zuletzt aktualisiert: 23.06.2026

KI-Kompetenz ist seit dem 2. Februar 2025 keine freiwillige Weiterbildung mehr, sondern eine gesetzliche Pflicht. Wer im Unternehmen Künstliche Intelligenz einsetzt – sei es ChatGPT für E-Mails, Microsoft Copilot in Office oder ein KI-Tool im Marketing –, muss dafür sorgen, dass alle Beteiligten ein ausreichendes Maß an KI-Kompetenz besitzen. So steht es in Artikel 4 des EU AI Act. Dieser Ratgeber erklärt verständlich, was hinter dem Begriff steckt, wen die Pflicht trifft und wie Sie sie pragmatisch und nachweisbar erfüllen.

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Hinweis: Dieser Beitrag ist eine Orientierungshilfe und ersetzt keine Rechtsberatung im Einzelfall. Alle regulatorischen Angaben entsprechen dem Stand 23.06.2026.


Das Problem: KI ist längst im Haus – die Kompetenz oft nicht

In den meisten Unternehmen wird KI bereits genutzt, nur selten geordnet. Mitarbeitende greifen zu ChatGPT, weil es den Arbeitstag schneller macht. Copilot ist mit dem Office-Paket ohnehin dabei. Im Marketing schreibt ein Tool Textentwürfe, im Service beantwortet ein Chatbot Anfragen. Was fehlt, ist das Bewusstsein dafür, dass genau dieser Alltag bereits unter die KI-Kompetenzpflicht aus Artikel 4 fällt.

Der häufigste Irrtum: „Der EU AI Act betrifft nur Unternehmen, die selbst KI entwickeln." Das ist falsch. Die Pflicht knüpft an die Nutzung von KI-Systemen an, nicht an deren Entwicklung. Schon der reine Einsatz allgemein verfügbarer Tools löst sie aus. Wo Kompetenz fehlt, entstehen konkrete Risiken: vertrauliche Daten landen in öffentlichen KI-Tools, Halluzinationen werden ungeprüft übernommen, und im Prüfungsfall lässt sich nicht belegen, dass die Belegschaft überhaupt weiß, was sie tut.


Was bedeutet KI-Kompetenz nach Artikel 4 konkret?

Der EU AI Act definiert KI-Kompetenz als die Fähigkeiten, Kenntnisse und das Verständnis, die es ermöglichen, KI-Systeme sachkundig einzusetzen und sich der Chancen, Risiken und möglichen Schäden bewusst zu sein. Wichtig: Das Gesetz schreibt keine konkrete Schulungsform und keine Mindeststundenzahl vor. Gefordert ist ein „ausreichendes Maß" – abgestimmt auf Rolle, Vorkenntnisse und den Kontext, in dem KI eingesetzt wird. Die Maßnahmen dürfen also risikobasiert ausfallen: Wer nur einen Office-Assistenten nutzt, braucht ein anderes Niveau als ein Team, das KI in Personalentscheidungen einbindet – Compliance soll im Alltag funktionieren, nicht nur auf dem Papier.


Wen trifft die KI-Kompetenzpflicht?

Die Pflicht aus Artikel 4 richtet sich an Anbieter und Betreiber von KI-Systemen. „Betreiber" sind dabei alle Unternehmen, die KI im beruflichen Kontext einsetzen. Die wichtigsten Punkte auf einen Blick:

  • Unabhängig von der Unternehmensgröße: Es gibt keine Bagatellgrenze und keine KMU-Ausnahme von der Kompetenzpflicht. Auch kleine Betriebe sind erfasst.
  • Unabhängig von der KI-Risikoklasse: Die Kompetenzpflicht gilt branchen- und systemübergreifend – nicht nur für Hochrisiko-Anwendungen.
  • Auch bei reiner Tool-Nutzung: ChatGPT, Copilot und vergleichbare Werkzeuge reichen aus, um die Pflicht auszulösen.
  • Betroffen sind alle, die mit KI arbeiten oder von deren Ergebnissen betroffen sind – von der Geschäftsführung über HR und Marketing bis zur IT.

Wenn Sie tiefer in die Systematik des Gesetzes einsteigen möchten – Risikoklassen, weitere Pflichten und Fristen –, finden Sie den vollständigen Überblick auf unserer Themenseite zum EU AI Act.


In 4 Schritten zur nachweisbaren KI-Kompetenz

So gehen Sie das Thema strukturiert an, ohne sich in Formalismus zu verlieren:

  1. Bestandsaufnahme machen: Erfassen Sie, welche KI-Tools tatsächlich im Einsatz sind – auch die inoffiziellen. Schatten-KI ist die Regel, nicht die Ausnahme.
  2. Rollen und Risiken zuordnen: Klären Sie, wer mit welchen Systemen arbeitet und wie kritisch der jeweilige Einsatz ist. Daraus ergibt sich das nötige Kompetenzniveau.
  3. Kompetenz aufbauen: Schulen Sie Ihre Teams passend zu ihren Rollen: rechtliche Grundlagen, Risikoklassen, sicherer Umgang mit Daten, Erkennen von Halluzinationen und Bias.
  4. Dokumentieren: Halten Sie Schulungsinhalte und Teilnahme fest. Nur so können Sie die Erfüllung der Kompetenzpflicht im Prüfungsfall belegen.

Eine strukturierte KI-Schulung deckt die Schritte 3 und 4 in einem Aufwasch ab – inklusive Teilnahmenachweisen, die Sie vorlegen können.


Aktuelle Rechtslage: Was 2026 gilt

Damit Sie sich auf belastbare Daten verlassen können – die wichtigsten Eckpunkte zur KI-Kompetenzpflicht, Stand 23.06.2026:

  • Seit 2.2.2025 gilt die KI-Kompetenzpflicht (Art. 4 EU AI Act) für jeden, der KI einsetzt – unabhängig von der Unternehmensgröße.
  • Seit 2.8.2025 ist der Sanktionsrahmen (Art. 99) in Kraft. Bußgelder reichen bis zu 35 Mio. € oder 7 % des weltweiten Jahresumsatzes (bei verbotenen Praktiken); für KMU gilt jeweils der niedrigere der beiden Werte (Art. 99 Abs. 6).
  • Nationale Aufsicht in Deutschland: Die Aufgabe soll bei der Bundesnetzagentur (KI-Marktintegrations- und Governance-Stelle) liegen. Der Bundestag hat am 11.6.2026 zugestimmt; die Zustimmung des Bundesrats steht noch aus.
  • Verschiebung der Hochrisiko-Pflichten (Annex III): Eine Verschiebung vom 2.8.2026 auf voraussichtlich den 2.12.2027 wurde politisch beschlossen (Digital Omnibus, Zustimmung des EU-Parlaments am 16.6.2026), ist aber noch nicht im EU-Amtsblatt veröffentlicht. Bis zur Veröffentlichung gilt rechtlich weiterhin der 2.8.2026. Wichtig: Die KI-Kompetenzpflicht aus Artikel 4 ist von dieser Verschiebung nicht betroffen – sie gilt bereits jetzt.

Mini-Fazit

KI-Kompetenz ist seit Anfang 2025 geltendes Recht – unabhängig davon, ob Sie KI entwickeln oder bloß nutzen. Die gute Nachricht: Der Gesetzgeber lässt Ihnen Spielraum. Sie müssen kein Pflichtprogramm abarbeiten, sondern ein zur Rolle und zum Risiko passendes Maß an Kompetenz sicherstellen – und es belegen können. Wer jetzt strukturiert vorgeht, erfüllt die Pflicht und holt zugleich den produktiven Nutzen aus der KI heraus.

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Häufige Fragen zur KI-Kompetenz

Was ist KI-Kompetenz im Sinne des EU AI Act? KI-Kompetenz umfasst die Fähigkeiten, Kenntnisse und das Verständnis, die einen sachkundigen Einsatz von KI-Systemen ermöglichen – inklusive des Bewusstseins für Chancen, Risiken und mögliche Schäden. Sie wird in Artikel 4 des EU AI Act gefordert.

Seit wann gilt die KI-Kompetenzpflicht aus Artikel 4? Seit dem 2. Februar 2025. Anbieter und Betreiber von KI-Systemen müssen seitdem für ein ausreichendes Maß an KI-Kompetenz ihres Personals sorgen.

Gilt die Pflicht auch, wenn wir nur Tools wie ChatGPT nutzen? Ja. Die Kompetenzpflicht knüpft an die Nutzung von KI-Systemen an, nicht an deren Entwicklung. Auch der reine Einsatz allgemein verfügbarer Tools wie ChatGPT oder Copilot löst sie aus.

Müssen wir die KI-Kompetenz nachweisen können? Es empfiehlt sich dringend. Im Prüfungs- oder Schadensfall sollten Sie belegen können, dass Ihre Belegschaft die nötige Kompetenz besitzt. Schulungsdokumentation und Teilnahmenachweise schaffen genau diesen Nachweis.

Was droht bei Verstößen? Der EU AI Act sieht seit dem 2.8.2025 gestaffelte Bußgelder vor – bei verbotenen Praktiken bis zu 35 Mio. € oder 7 % des weltweiten Jahresumsatzes; für KMU gilt jeweils der niedrigere der beiden Werte (Art. 99 Abs. 6). Hinzu kommen Haftungs- und Reputationsrisiken durch falschen KI-Einsatz.


Über die Autorin

Tabea Lehnert ist Managing Director Legal, Compliance & Datenschutz der vsquadrat compliance advisory GmbH. Als Wirtschaftsjuristin (LL.M.) und TÜV-zertifizierte Datenschutzbeauftragte & Compliance Officerin berät sie Unternehmen seit über sechs Jahren zu Datenschutz-, IT- und Vertragsrecht. Zum Thema KI bringt sie wirtschaftliche Impulse in parlamentarische Gremien sowie in das Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung ein.


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Ihre Ansprechpartnerin: vsquadrat compliance advisory GmbH Kleiner Burstah 12, 20457 Hamburg Tabea Lehnert, Managing Director · tabea@vsquadrat.de · +49 151 40701461 Team Legal · legal@vsquadrat.dewww.vsquadrat.de

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